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Künstler: Katatonia

Album: The great cold distance

Erscheinungsjahr: 2006

Anspieltipp: My twin

Autor: Markus

Die Schweden von Katatonia haben in ihrer mittlerweile 15 Jahre währenden Karriere etliche Klassiker des düsteren Metals unters schwarze Volk geworfen. Unter ihnen befanden sich neben den rauen Anfangsoutputs „Dance of december souls“ oder „Brave murder day“, auch hinreißend intonierte, mit etlichen Hymnen ausgestattete Werke eher rockiger Machart, die auf solch illustre Namen wie „Discouraged ones“, „Tonight’s decision“ oder „Last fair deal gone down“ hören. Den bisherigen Höhepunkt ihrer musikalischen Karriere konnten die Düstermänner jedoch mit ihrem 2003 ins Rennen geschickten Output „Viva emptiness“ feiern, welcher nicht nur flächendeckend von der schreibenden Zunft abgefeiert wurde, sondern auch etliche tausend Mal über die Ladentheke wanderte und nicht wenige Freunde des außergewöhnlichen Quintetts in helle Begeisterungsstürme verfallen ließ. Neben einem phantastischen Gespür für ohrwurmartige Melodien, bewiesen Katatonia vor gut drei Jahren, dass sie ihren Stil ein großes Stück weiter vorangetrieben hatten und zu einer eigenständigen Kapelle in der Schnittmenge aus Düsterrock und Metal gereift waren. Dass Katatonia anno 2006 keinen lauwarmen Abklatsch dieses Erfolgsalbums abliefern würden, war ebenso klar, wie die Tatsache, dass man weiter daran arbeiten würde, den bandeigenen Sound in neue, ungeahnte Sphären zu hieven, dass dabei aber ein so kontrastreiches, schwer zu erschließendes und zunächst befremdlich wirkendes Album herauskommen würde, hätten sicher nur die wenigsten vermutet.

„The great cold distance“ ist ein rabenschwarzes Werk geworden, dessen Songstrukturen sich nicht beim ersten Mal Hören entfalten, dass zunächst mehr Fragen als Antworten aufwirft und dass den Zuhörer gehörig vor den Kopf stoßen kann. Mit „Deliberation“ und „My twin“ befinden sich lediglich zwei potentielle Hitsingles auf Katatonias neuester Langgrille. Alle anderen Stücke wirken beim ersten Kontakt eher zähflüssig, sperrig und beinahe unergründlich. „The great cold distance“ braucht Zeit, viel Zeit.

Im unmittelbaren Vergleich zu „Viva emptiness“ fällt zunächst auf, dass man die zwölf Stücke in ein härteres, progressiveres und variableres Gewand gekleidet hat. Dabei zeigt sich, dass die Songs eine deutlich breitere Palette an Emotionen abdecken, als dies in der Vergangenheit der Fall war. Während Stücke wie das bedrohlich daherkommende „Consternation“ aggressiv, zerrissen und wütend wirken, ist beispielsweise „Increase“ ein beinahe introvertierter, unauffälliger Track geworden, wäre da nicht das am Ende des Songs aufwallende Riffgewitter, welches den Konsumenten zurück auf den Boden der Tatsachen holt. Während in der Vergangenheit die Amerikaner von Tool einen großen Einfluss auf die Musik der Schweden ausübten, tritt dieser heuer nicht mehr derart deutlich zu Tage wie beispielsweise auf den letzten beiden Outputs der Formation. Lediglich „Soil’s song“ lässt eindeutige Vergleiche zu Maynard James Keenan’s Hauptband zu. Ansonsten fixieren sich Katatonia auf die Erschaffung eines einzigartigen atmosphärischen Sounds, welcher der Band endgültig dazu verhilft, eine Ausnahmeposition im Musikbusiness zu bekleiden. Hat man sich erst einmal an die „neuen“ Katatonia gewöhnt, findet der Zuhörer im Dickicht der anspruchsvoll arrangierten Songs nach und nach die für die Band so typischen harmonischen Gesangslinien und unvergleichlichen Melodiebögen. Sänger Jonas Renkse beweist in diesem Zusammenhang einmal mehr, dass er ein unglaublich ausdrucksstarker Vokalist ist, der sich nach wie vor nicht hinter anderen Szenegrößen zu verstecken braucht. Ein hinreißender Song wie „July“ wäre ohne seine markante Stimme undenkbar.

Katatonia machen also auch in diesem Jahr einen absolut perfekten Job. „The great cold distance“ ist aufwühlend, tiefgründig und einzigartig. Das songübergreifende lyrische Konzept, welches die zunehmende zwischenmenschliche Entfremdung in der heutigen Zeit thematisiert, hätte nicht besser musikalisch umgesetzt werden können.

 

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